Ecuador: Förderung der Kommunikationsvernetzung

Interview für Radiobeitrag.

Ein Online-Radio im Amazonasgebiet

Morona Santiago ist eine Provinz im ecuadorianischen Amazonasgebiet. Sie ist nach den Flüssen Morona und Santiago benannt, den Nebenflüssen des Amazonas. Unter den rund 130.000 EinwohnerInnen leben viele indigene Shuar und Mestizen. Das Amazonasbecken ist die ärmste Region Ecuadors und 68,3 % der Einwohner von Morona Santiago sind von Armut betroffen. Dafür lassen sich viele verschiedene Ursachen finden: Die Infrastruktur ist im Regenwald nur unzureichend ausgebaut, die Grundversorgung und das Gesundheitssystem sind mangelhaft, da sich die ecuadorianische Politik auf die größeren Städte des Landes konzentriert.

Ein weiteres Problem sind die fehlenden Kommunikationsmedien in dieser weitläufigen Region. Die Bevölkerung hat kaum Möglichkeiten, um ihre Meinung zu äußern oder die Kommunikation mit anderen Gemeinden aufzunehmen. Infolgedessen bleiben ihnen wichtige Informationen oftmals vorenthalten. Dazu zählen zum Beispiel aktuelle Informationen zu Grundversorgung, Bildung, rechtlicher Beratung oder Gesundheit – wichtige Themen mit denen ihre Lebensbedingungen verbessert werden könnten.

Die indigene Bevölkerung und die Landbewohner kämpfen seit Jahren um die Schaffung von Kommunikationsmedien, um als „mündiges Volk“ ihre Rechte, ihr Wohngebiet und ihre eigene Stimme zu verteidigen.

Die Fundación ATASIM, lokaler Projektpartner des LAZ in Macas, widmet sich diesen benachteiligten Bevölkerungsgruppen und fördert die Kommunikationsvernetzung der Gemeinden General Proaño, San Isidro, Río Blanco und Macas. Während einer Projektlaufzeit von 12 Monaten erhalten die Gemeinden ein eigenes Online-Radio, über das die indigene Bevölkerung ihre Meinung austauschen kann und Informationen von anderen Gemeindebewohnern erhält. Ziel des Radios ist es, die BewohnerInnen untereinander besser zu vernetzen und die Kommunikation mit anderen Gemeinden zu fördern.

Im Rahmen des Projektes wird ein gemeinschaftliches Rundfunk-Zentrum errichtet, in dem die TeilnehmerInnen direkt in die Radioarbeit eingebunden werden. Ein technisches Team besucht entlegenere Dörfer und sammelt Wortbeiträge, die in die Programme zu den Themen Natur und Umwelt, Gesundheit und Naturheilkunde oder Kultur und Tourismus integriert werden. Die Befragten vermitteln ihr Wissen und ihre Ansichten insbesondere auch für jüngere Generationen. So berichten ExpertInnen beispielsweise über die richtige Anwendung von Heilkräutern im Sinne der traditionellen Medizin. Die ländliche und indigene Bevölkerung erhält endlich eine „Stimme“, die im ganzen Land gehört werden kann.

Das Rundfunk-Zentrum „Radio Macas“ ist offen für alle Gemeindemitglieder und bietet neben den Radioprogrammen auch schriftliche und audiovisuelle Informationsmaterialien an. Darüber hinaus werden Nachrichten und Musik aus Ecuador gesendet.

Die Verbreitung von Kommunikationsmedien in entlegene Gebiete am Amazonas trägt zur unmittelbaren Verbesserung der Lebensbedingungen bei und stärkt die Bevölkerung in ihrem Recht auf Information, Austausch, Meinungs- und Entscheidungsfreiheit.