Projektbesuch in Novos Alagados

Bernd Kemper von der Brasilien-Kooperative Haltern besucht das Projekt in Novo Alagados, Brasilien.

Werkstätten für 25 Jugendliche eingeweiht

In dem Projekt Emaús Novos Alagados, das von der Brasilien-Cooperative seit 4 Jahren unterstützt wird, konnten jetzt die ersten Werkstätten für die Ausbildung von 25 Jugendlichen, fertiggestellt werden. Zur Einweihung war auch die Honorarkonsulin Frau Dr. Petra Schaeber anwesend, die sich sehr beeindruckt von der Projektarbeit zeigte. Bernd Kemper ist zur Zeit in Brasilien und berichtet:

Die Idee von Emaús ist denkbar einfach: Die Ober- und Mittelschicht in Brasilien hat viele Gebrauchs- gegenstände wie Kleidung, Schuhe, Bücher, Fernseher, Küchengeräte und anderes mehr, die sie nicht mehr benötigt, die aber durchaus noch einen Wert haben. Diese Dinge werden nach telefonischer Absprache abgeholt und in projekteigenen Werkstätten ausgebessert oder repariert. Einmal in der Woche gibt es dann einen sogenannten Basar, wo diese Second-Hand-Ware von Favela-Bewohnern zu einem günstigen Preis erworben werden kann. Schon vor 20 Jahren hat unsere Brasilien-Cooperative ein solches Projekt in Fortaleza mitaufgebaut. Heute leben dort 90 Familien von dieser Arbeit. Mit dem Gewinn werden darüber hinaus die sozialen Vereinsaktivitäten vor Ort unterstützt.

In Novos Alagados, einem der ärmsten Stadtteile Salvadors, entsteht jetzt nach diesem Vorbild eine neue Emaús-Gruppe. Der Verein Primeiro de Maio engagiert sich seit vielen Jahren in diesem Stadtviertel. Vor 40 Jahren gab es hier noch Pfahl-Favelas, die in den 80er Jahren mit internationaler Hilfe vor allem der Caritas und der Weltbank saniert wurden. Der Verein war damals das entscheidende Bindeglied zwischen den Favela-Bewohnern und den Hilfsorganisationen und kämpfte für den Bau von Schulen, Kindergärten und Gesundheitsstationen. Damals wie heute ist die Stadt Salvador für den Unterhalt dieser Einrichtungen zuständig, auch die Bezahlung der Lehrer war und ist Aufgabe der Präfektur.

Heute werden aus politischen Gründen die Gehälter häufig nicht rechtzeitig ausgezahlt, einige Lehrer in den Projekten haben seit 15 Monaten kein Gehalt mehr bekommen. Der Verein Primeiro de Maio ist damit heute wichtiger denn je, wenn es um die Durchsetzung der Rechte und um soziale Verbesserungen für die Bewohner von Novos Alagados geht. Aus diesem Grund entstand 2011 die Idee, das Emaús-Projekt ins Leben zu rufen. Die Recyclingarbeit soll dem Verein eine finanzielle Grundlage und mehr Unabhängigkeit verschaffen. Das Projekt entwickelt sich sehr gut. Zurzeit gibt es 4 feste Mitarbeiter, die sich um alles kümmern. In diesem Jahr haben wir dank der Unterstützung durch das Lateinamerika-Zentrum (LAZ) eine finanzielle Hilfe des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für den Aufbau der Werkstätten bekommen. Hier erlernen Jugendliche jetzt Fernseher und Computer zu reparieren, alte Möbel zu restaurieren und vieles andere mehr. Neben dem pädagogischen Wert dieser Arbeit profitiert auch der Basar, denn es können mehr reparierte und funktionierende Sachen verkauft werden. Auch ein neuer Kleintransporter konnte mit den Mitteln des BMZ angeschafft werden, so dass die Abholung der Gebrauchsgegenstände aus anderen Stadtteilen erheblich erleichtert wird.

Emaús Novos Alagados wird spätestens in 2 bis 3 Jahren unabhängig von fremder Hilfe sein. Bis dahin wird die Brasilien-Cooperative das Projekt weiter fördern. Weitere Informationen finden sich auf unserer Website unter www.brasilien-cooperative.de oder auch auf facebook.